SPREEWALDKRIMI I: DAS GEHEIMNIS IM MOOR
Telefilm Saar / für ZDF
PREMIERE am 16. Juli 2006 auf dem FILMFEST MÜNCHEN
Erstausstrahlung ZDF: 06. November 2006 als "Fernsehfilm der Woche"
Trailer unter: http://www.zdf-enterprises.de/the_secret_of_the_moor.13935.htm
Regie: Kai Wessel
Kamera: Holly Fink
Produktion: Telefilm Saar / Wolfgang Esser, Peter Lohner
Redaktion: Pit Rampelt
mit
Sebastian Blomberg, Anna Loos, Kai Scheve, Claudia Geissler
Angela Winkler, Christian Redl, Christian Grashof
Sabine Grabis, Alexander Hörbe, Thomas Thieme, Anne Brendler
Hans Bruckner, Tim Oliver Schulz, Christina Wöllner, Markus Kaatsch, Nic Kantor, Daniel Doujenis, Rainer Sellin, Sven Pippig, Anja Katarzyna Antonowicz, Katharina Spiering, Petra Kelling und Jochen Senf
Dr. Til Desno ist Arzt für plastische Unfallchirurgie in Berlin und als Gerichtssachverständiger zuständig für die Rekonstruktion von Gesichtern. Als im Spreewald eine Moorleiche gefunden wird, bekommt er den Auftrag, deren Antlitz zu rekonstruieren. Der Tote ist ein Freund aus Abiturzeiten, von dem es hieß, er sei in den Westen abgehauen und habe dafür seine Freunde an die Staatssicherheit verraten - darunter auch Til.
Jetzt erweist sich jedoch: Der Freund war zum Zeitpunkt des Verrats bereits tot. Nichts stimmt mehr, alle Entscheidungen der letzten zwanzig Jahre standen unter einer falschen Annahme. Die Vergangenheit muß korrigiert werden, die Lebensgeschichte Til Desnos und seiner Freunde umgeschrieben werden - an den Orten ihrer Jugend und ihrer Geheimnisse.
Schnitt: Tina Freitag, Musik: Ralf Wienrich
Szenenbild: Götz Heymann Oberbeleuchter: Jürgen Schumacher
ZDF Produktionsmanagement: Donald Jenichen
Herstellungsleitung: Rudi Scheerer Produktionsleiter: Christian Springer
Ton: Raul Grass Aufnahmeleitung: Peter Faber
Casting: Uljana Havemann
Maske: Ulrich Ritter, Juliane Hübner Regie-Assistenz: Samira Radsi
Aussenrequisite: Marcus Haendgen Innenrequisite: Sven Arnold
Nominierungen DEUTSCHER KAMERAPREIS 2006
für Holly Fink (Kamera) und Tina Freitag (Schnitt)
TV-SPIELFILM: Tipp des Tages: "Wunderschön: ein Krimi-Kleinod" ... "Aus dem Spreewald kam schon so manche Gurke, dieser TV-Krimi ist keine. (...) Von den klugen Dialogen, über die edle Optik bis zum tollen Sounddesign beweist dieser TV-Krimi Kinoniveau."
TV-MOVIE: TagesTipp: "Dramatisches Rätsel, faszinierende Kulisse" ... "Langsam, aber keineswegs langweilig entspinnt sich die klug konstruierte Ost-West-Story. Sie besticht durch ihre leise Melancholie, die einfühlsam einbezogene Landschaft und das tolle Ensemble."
TV-DIREKT: Top-Tipp: "So düster-geheimnisvoll wie der Nebel überm Spreewald"
HÖR ZU: Tipp: "Figurenstarkes und wirklichkeitsnahes Ost-West-Drama."... "Nach "Mord am Meer" schrieb Thomas Kirchner nun einen fesselnden Ost-West-Krimi, den Kai Wessel in Szene setzte. Die Spreewald-Idylle kontrastiert reizvoll mit einer finsteren Geschichte."
Der Spreewald und der magische Fluss eines filmischen Gesamtkunstwerks
Grausig ragt eine Hand aus dem Moor. Experten legen einen ganzen Körper frei. Die mumifizierte Leiche geht nach Berlin, wo das Antlitz des Toten rekonstruiert wird. Dass die Fotos wenig später vom verantwortlichen Arzt für plastische Unfallchirurgie höchstpersönlich in den Spreewald gebracht werden, hat seinen guten Grund: Der Tote ist ein Freund aus Abiturzeiten – von dem es hieß, er sei in den Westen getürmt und habe dafür seine Freunde an die Staatssicherheit verraten. Jetzt kommen Zweifel auf, denn der junge Mann war offenbar im Augenblick des Verrats bereits tot. Jemand anderes muss die Abiturienten, die damals vom goldenen Westen träumten, bei der Stasi „hingehängt“ haben. Die Frage nach der moralischen Schuld treibt die einst Beteiligten um, juristisch heißt es aber vor allem, Licht ins Dunkel eines mysteriösen Mordfalls zu bringen.
In fremde, seltsame Welten einzudringen bleibt in der Regel dem Kino vorbehalten. In „Das Geheimnis im Moor“ gelingt es dem Autor Thomas Kirchner („Mord am Meer“) und dem Regisseur Kai Wessel, die Grundstimmung einer Landschaft und das Eintauchen in eine undurchsichtige Vergangenheit zu einer ikonografischen Einheit zu verschmelzen. Das Rätselhafte steckt in jedem Bild, ohne dass der Film auf eine prätentiöse Weise verrätselt wäre. Denn formal herrscht Klarheit in diesem höchst bizarren Mikrokosmos: Einer von der banalen Alltäglichkeit entkernten Sprache steht ein meisterlich reduziertes Spiel gegenüber, das zwischen magischer Poesie und wuchtigem Realismus pendelt. „Der Spreewald ist eine wunderbare Kulisse für einen Krimi, der mehr erzählen will, als das bloße Aufklären eines Mordes oder Totschlags“, bringt es Wessel auf den Punkt. Und er bringt die Parallele zwischen menschlichen Lebenswegen und der Natur auf ein stimmiges Bild: „Wasser, in fast 1000 Kilometer verzweigt, verästelt, verwirrend, immer in Bewegung, immer neues, und immer in den gleichen Bahnen.“ Oder auch nicht.
„Das Geheimnis im Moor“ erzählt von Brüchen im Lebensweg, von Verletzungen, von nicht verheilten Wunden. Präsentiert wird das dem Zuschauer quasi als ästhetisches Gegenbild: als ein Film aus einem Guss. Bei diesem Freundschafts- und Familiendrama aus dem Spreewald sind wirklich die Besten der Besten am Werk – und sie alle, ob Autor Kirchner oder Grimme-Preisträger Wessel, ob Kameramann Holly Fink oder Cutterin Tina Freitag, sie alle erzählen in ihrer Kunst und „Sprache“ etwas, was sich zu erzählen und zu betrachten lohnt.
Bei einem Film, der getragen ist vom Mut zur Langsamkeit, kommt den Schauspielern eine besondere Aufmerksamkeit zu. Da muss das Timing, muss jede Pause stimmen, muss jeder Blick die richtige Intensität besitzen, sonst kippt eine solche Tonlage schnell ins Bedeutungsschwangere. Wen nennen aus der langen Liste der Ausnahmeschauspieler, die hier alle ausnehmend gut sind? Natürlich den Hauptdarsteller: Sebastian Blomberg, der liefert, von Scham bis Wut, eine breite Gefühlspalette. Gut wie immer: Anna Loos, Claudia Geisler und Christian Redl. Besonders eine aber muss hervorgehoben werden, Angela Winkler „auratisch verschleiert“, die der „Spiegel“ nach der Premiere auf dem Münchner Filmfest zu Recht als „das wirkliche Wunder“ dieses Films bezeichnete.
Rainer Tittelbach
Dieser Artikel stammt von http://www.tittelbach.tv/programm/fernsehfilm/artikel-446.html

|