DAS WUNDER VON BERLIN
TV-Movie im Auftrag des ZDF / TeamWorx
PREMIERE am 15. Januar 2008 im Kino International / Berlin
Erstausstrahlung am 27. Januar 2008 ZDF / 20:15 Uhr
Trailer unter: http://www.zdf-enterprises.de/das_wunder_von_berlin.15563.htm
Regie: Roland Suso Richter
Redaktion: Heike Hempel, Alexander Bickel
Produktion: TeamWorx Television & Film GmbH: Nico Hofmann, Benjamin Benedikt, Jürgen Schuster
Dramaturgie: Carolin Haasis
mit
Kostja Ullmann, Karoline Herfurth, Veronica Ferres, Heino Ferch, Michael Gwisdek, André Hennicke, Gesine Cukrowski, Tino Mewes, Hermann Beyer, Anna Loos, Christian Blümel, Vinzenz Kiefer, Aaron Hildebrand, Clemens Schick
Eine DDR-Familie in den Zeiten des Umbruchs zwischen Juni 1988 und dem Mauerfall im November 1989. Was sie trennt, was sie verbindet - auch ein Spiegel der Zustände in der Gesellschaft.
Kamera: Holly Fink
Schnitt: Bernd Schlegel; Szenenbild: Olaf Rehahn,
Ausstattung: Christiane Rothe; Kostüm: Katrin Schäfer,
Produktionsleitung: Gabi Lins; Herstellungsleitung: Sebastian Werninger
Musik: Ulrich Reuter; Producer: Tom Wommer
Co-Produzenten und Weltvertrieb: ZDF Enterprises
Historische Fachberatung: Dr. Torsten Diedrich, Wiss. Mitarbeiter am Militärgeschichtlichen Forschungsamt Potsdam; Prof. Dr. Rainer Eckert, Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig
auch als DVD erhältlich Warner Home Video / X-Verleih
EAN - Nummer: 73421925009262
Preise:
BESTES DREHBUCH von der UNION DER BULGARISCHEN FILMSCHAFFENDEN 2008
GOLD WORLD MEDAL auf den NEW YORK FESTIVALS 2009
GOLDEN CHEST GRAND PRIX für TV-Filme und Mini-Series auf dem INTERNATIONALEN FERNSEH-FESTIVAL 2008 in Sofia
Michael Gwisdek BESTER SCHAUSPIELER NEBENROLLE beim DEUTSCHEN FERNSEHPREIS 2008
Nominierungen:
36th INTERNATIONAL EMMY (R) AWARD in der Kategorie TV-Movie / Mini-Series
DEUTSCHER FERNSEHPREIS 2008 in der Kategorie BESTER FILM
FERNSEHFILMPREIS 2008 des FERNSEHFILM-FESTIVALS der Akademie der Darstellenden Künste Baden-Baden
GRIMME-PREIS 2009
TV MOVIE: TAGESTIPP: Bewegendes Kapitel deutscher Geschichte. Der sensibel inszenierte Film wird den damaligen Ereignissen gerecht.
TV SPIELFILM: TIPP DES TAGES: Es wirkt mitunter wie emotional aufgeschäumter Staatsbürgerkunde-Unterricht und erinnert daran, daß mit der Mauer auch Lebensentwürfe, Weltbilder und Beziehungen einstürzten.
TV GUIDE: Authentische und emotionale Zeitgeschichte.
TV DIREKT: Emotions-TV zum Taschentuch-Zücken.
BLICKPUNKT FILM: Wenn Erinnerungen verblassen, sorgen Werke wie diese dafür, daß die Ereignisse nicht vergessen werden.
BILD.DE: Ein Film voller Wunder - ein wundervoller Film
d e r s p i e g e l 4/2008: Punk und Kleiner Prinz
Schon wieder Vergangenheit, schon wieder DDR, schon wieder Ferres. Aber der TV-Film „Das Wunder von Berlin“ ist trotzdem klasse.
Was können die Geschichten aus der Geschichte dafür, dass sie so gekonnt sind? Arme Gegenwart, aber die TV-Macher blühen heute auf, wenn es gestert. Kein Star scheint dann zu teuer, kein Drehort zu aufwendig, verflogen die Angst, dem Altbekannten Bekanntes hinzuzufügen. Die letzten Fernsehmonate haben es gezeigt: Da haben sich zwei gefunden – die Sehnsucht der Fernsehmaschinerie nach voller Entfaltung und der Stoff, aus dem gelebte Träume sind.
Eine jüngere Schauspielergeneration hat soeben in „Krieg und Frieden“ bewiesen, dass sie Tolstoi gewachsen ist. Die Stücke zum Untergang der DDR, „Die Frau vom Checkpoint Charlie“ und „Prager Botschaft“, entkamen dem Sog der Dokus und erlangten fiktionale Souveränität mit psychologischer Glaubwürdigkeit, wohltemperierter Sentimentalität und suggestiven Bildern.
Und jetzt bittet Veronica Ferres als historisches Medium erneut in den TV-Historienstadl, zur Séance mit der dahingeschiedenen DDR, zum Fernsehfilm „Das Wunder von Berlin“, am kommenden Sonntag im ZDF. An ihrer Seite Heino Ferch als untreuer Ehemann, Geheimdienstoffizier und Familientyrann. Das klingt nach dem Versuch, die Erfolgsmasche mit Stars und Stasi fortzustricken.
Aber die Geschichte, die Thomas Kirchner, 46, aus eigener DDR-Erfahrung und anderen Ostlebensläufen komponiert hat, ist keine Bühne für Schauspielereitelkeiten, sondern vermittelt in präzisen Dialogen jede Menge DDR-Wirklichkeit.
Kirchner erzählt eine Familiengeschichte, in der sich unter gemeinsamem Dach drei Generationen aneinander reiben: Großvater Kaiser (Michael Gwisdek), der als Landser in Stalingrad war und dem kein Sozialismus seine reaktionäre Halsstarrigkeit hat austreiben können; sein Sohn (Ferch), aus Opposition gegen den Vater zum Karrieristen und Mielke-Handlanger geworden, verheiratet mit einer Ex-Krankenschwester (Ferres); und der junge Spross des Clans, Marco (Kostja Ullmann). Die Eltern bilden ein Paar, dem der Idealismus der sozialistischen Anfangsjahre ebenso abhandengekommen ist wie die Liebe zueinander. Der Unterschied zwischen den Eheleuten: Der Mann verdrängt mit tyrannischem Gebaren seine Zweifel, die Frau ist, als der Film einsetzt, an dem Punkt, wo Resignation in Rebellion umschlägt.
Das klingt nach einer schön sauber dialektischen Geschichte: Das Wunder von Berlin begann mitten in der Familie, erst brachen familiäre Fassaden, dann stürzte die Mauer hinterher. Doch so reißbretteinfach läuft es nicht. Familien schwingen – seit den Buddenbrooks weiß man’s – in einem eigenen Rhythmus, funktionieren nicht mechanisch wie Hampelmänner zur Pfeife der Weltgeschichte. Vor allem Marcos Leben verläuft zwischen den Polen Anpassung und Opposition. Als braver Sohn seines Stasi-Vaters ließ er sich in den Kaderschmieden zum DDR-Olympia-Schwimmer drillen, bis der dopinggeschädigte Körper nicht mehr mitspielte und die Mutter die Notbremse zog. Ferch spielt die maßlose Enttäuschung über den Sohn, diese Kränkung eines überehrgeizigen Vaters, mit geradezu mitleiderregender Glaubwürdigkeit. Da bricht ein erwachsener, innerlich einsamer und in seinen Träumen kindischer Mann in Tränen aus, als das DDR-Fernsehen zur Becher- Hymne die Schwimmhelden feiert: „Da könnte jetzt mein Sohn stehen.“
Marco aber wird Punker. Was im Westen als verstehbare Narretei durchgeht, gilt im Osten als feindliches Handeln „negativer Elemente“ – eine Lizenz für die Staatsgewalt, den Knüppel herauszuholen. Gegen den Goliathstaat hat die rührende Punk-Bewegung keine Chance. Was nützt ein verzweifelt herausgebrüllter Hoffnungssong „Warte nicht darauf, bis die graue Nacht dir den Morgen bringt“, wenn jeder erkennen muss, dass die bleifarbene DDR-Realität stärker ist als die Träume vom rebellischen Jungsein-Dürfen. Marco und seine Freundin Anja (herzerweichend und energisch zugleich: Karoline Herfurth), ein familienloses Heimkind mit der Sehnsucht nach Geborgenheit, haben das Glück, nicht von der vollen Wucht der Repression getroffen zu werden, weil Stasi-Vater Jürgen mit Hilfe seines mit Westspirituosen gefüllten Panzerschranks sowie seiner Arbeitskollegin und Geliebten Marion (überzeugend: Gesine Cukrowski) das Schlimmste abwenden kann.
Marco gibt dem Drängen des Vaters nach und leistet Wehrdienst bei der NVA. Ausgerechnet dort beginnt sein Bildungsroman. Mit Hilfe eines charismatischen Vorgesetzten (André Hennicke) findet der junge Mann zu dem, wovon die Propaganda nur geschwafelt hat, zu einer Art eigener sozialistischer Moral. Sie ist die selbstgebastelte Synthese aus Punk, den Weisheiten des „Kleinen Prinzen“ („Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast“) und den Notwendigkeiten militärischer Ordnung („Befehl ist Befehl“). Marco traut seinen Gefühlen, hilft den Kameraden und übernimmt Verantwortung. Die Zeit aber geht über diesen Reifeprozess hinweg. Das Ende der Mauer nimmt keine Rücksicht auf die innere Selbstbefreiung der DDR-Menschen. Als das Wunder von Berlin anbricht, erschießt sich Marcos Offiziersvorbild, der opportunistische Vater bereitet sich auf die Wende vor, die Mutter sieht ihre Bemühungen um eine moralische DDR überrollt. Marco, noch in Uniform und seine Anja im Arm, wirkt, als die Menschen in den Westen fluten, hilflos.
Das Fernsehen hat wieder einmal vom Mauerfall erzählt, aber nicht vom Jubel allein. Es ist eine vergangene und doch neue Geschichte.
Nikolaus von Festenberg
Das Buch zum Film: Alexandra Decker: Das Wunder von Berlin
Roman, Klappenbroschur, 288 Seiten, mit s/w Abbildungen
basierend auf dem Drehbuch von Thomas Kirchner
mit einem Beitrag des Historikers Rainer Eckert und einer Zeittafel
ISBN 978-3-8025-3647-2

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