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HABAKUK SCHMAUCH UND DER RITTER HANS V. QUITZOW
FOUCHÈ
EXIT
ROTKÄPPCHEN
ROBIN HOOD
EIN RÄUBERISCHES WEIHNACHTSFEST



 

 

   
   
 

 

 

HABAKUK SCHMAUCH UND DER RITTER HANS v. QUITZOW

Ein Schauspiel mit Gesang

 

URAUFFÜHRUNG  am 13. Juni 2009

 

am Buhnenhaus Brandenburg

Produktion: event-theater Brandenburg e.V.     www.event-theater.de

 

 

Kompositionen: Dmitri Pavlov    www.dmitri-pavlov.de 

Regie: Sylvia Kuckhoff

Bühnenbild: Olf Kreisel

 

Produktionsleitung: Hank Teufer, Regieassistenz: Dagmar Neunhöfer / Luisa Beuster, Bühnenaufbau: Gerüstbau Zatlidis & Okon, Bühnenbildanfertigung und -aufbau, Bau der Kanone: Dekra Akademie, Requisite, Kostüme: Brandenburger Theater

 

es spielten: Steffan Drotleff (Habakuk Schmauch), Hank Teufer (Friedrich von Hohenzollern), Joachim Paul Assböck (Johann "Hans" von Quitzow), Annette Borchardt (Agnes von Bredow), Nico Will (Dietrich von Quitzow, Bürgermeister von Brandenburg), Thomas Linz (Kuno von Quitzow, Moritatensänger, Waffenmeister), Claus Stahnke (Landmann, Johann von Quitzow d.Ä., Lippold von Bredow), Yvonne Hornack (Amme, Moritatensängerin, Elisabeth Schenk von Landsberg, Grete), Marcus Boldt, Lucas Weißbach, Sascha Gurries, Jan Peer Ebeling

   

 

MAZ - Märkische Allgemeine Zeitung:

SOMMERTHEATER: Freches Kabarett & Historie

Im Schauspiel mit Gesang von Thomas Kirchner geht es – anders als im Vorjahr – nicht um Habakuk Schmauchs Raubzüge oder seine Liebe zu des Bürgermeisters Töchterlein Käthchen. Denn die ist tot. Sie habe die Strapazen des Lebens im Wald auf der Flucht vor den Häschern nicht überlebt, erfahren die gut 200 Zuschauer Samstag von einem Sprecher. Habakuk Schmauch, den Steffan Drotleff wieder spielt, ist tief erschüttert und will Selbstmord begehen.

Die Brüder Hans und Dietrich von Quitzow finden den Verzweifelten und nehmen ihn mit auf ihre Burg. Dort schöpft Habakuk neuen Lebensmut. Aus Dankbarkeit versucht er, in dem Konflikt zwischen Hans von Quitzow (Joachim Paul Asböck) und Friedrich VI. von Hohenzollern (Hank Teuffer), dem späteren Kurfürsten Friedrich I. von Brandenburg, zu vermitteln. Denn Hans von Quitzow hat sich auf der bisher uneinnehmbaren Burg Plaue verschanzt und verweigert dem Kurfürsten die Gefolgschaft.

Bevor das Stück im zweiten Teil so richtig Fahrt aufnahm, prasselten im ersten Teil viele Namen und Fakten auf das Publikum nieder. Das wirkte ein wenig langatmig, zumal der Autor Wert darauf legte, mit seinem Stück auch die Wertvorstellungen des Mittelalters zu vermitteln. So war zwischen den beiden Kontrahenten Friedrich I. und dem Ritter von Quitzow viel und wortlastig von Recht, Ordnung die Rede. Spielfreude und schauspielerische Leistungen machen das Stück dennoch sehenswert. Überzeugend agiert Steffan Drotleff wieder als Habakuk Schmauch, der als kluger Narr auftritt.

Hank Teufer verbindet in seiner Rolle gekonnt höfische Grandezza mit intelligentem Draufgängertum. Ein richtiger Haudegen ist hingegen Joachim Paul Assböck, der kurz vor seinem Bühnentod mit tiefen Gefühlen für seine Frau Agnes von Bredow – vielschichtig gespielt von Annette Borchardt – überrascht.

Herzerfrischend agiert Yvonne Hornack, die – ebenso wie Claus Stahnke und Thomas Linz – gleich in mehreren Rollen überzeugt. Die Mimen haben keinerlei Berührungsängste vor Slapstick-Szenen, die besonders den Kindern viel Spaß bereitet haben. Viel Schwung bekommt die Inszenierung durch die eingestreuten Lieder, die Dimitri Pavlow komponiert hat. Verblüffend: Die Art der Darbietung kennt man vom politischen Kabarett. Die frechen Songs geben der Handlung, die Ende des 14., Anfang des 15. Jahrhunderts spielt, eine überraschende Aktualität. Offenbar verstanden sich schon unsere Altvorderen darauf, auch dann noch trickreich Handel und Wandel zu treiben, wenn all ihre Güter, Ländereien und Werte längst verpfändet, beliehen oder verschuldet waren. Wer sie erwarb oder eroberte, der eroberte auch die Schulden und hatte letztlich nichts gewonnen. Ein Schelm, der dabei an die Finanzkrise denkt. Fazit: Mit dem neuen „Habakuk Schmauch“ bietet das Event-Theater anspruchsvolle Unterhaltung, bei der der Spaß nicht zu kurz kommt. (Von Ann Brünink)

 

LESEPROBE:

 

OUVERTÜRE

Auftritt Schauspieler, Komparsen, Kinder – als Schauspieltruppe. Sie tragen noch nicht ihre Rollenkostüme.

 

CHOR SCHAUSPIELTRUPPE

Du mein unbekanntes Brandenburger Land

Wo hoch die Adler durch die Lüfte steigen

Sanfte Hügel, tiefe Seen

Sich wie an Perlenschnüren zeigen

Birgst uns Geschichten hundertfach

Stellt jetzt die Telefone ab

Das Essen ein, vermeidet Krach

Und hört und seht und staunt gebannt

 

Einer Geschicht’ aus längst versunk’ner Zeit

Man nannte sie die Quitzowzeit

Erzählt vom Mittelalter

Von Burgen, Fürsten, Fehdestreit

schönen Frauen, stolzen Rittern

Von gewaltigen Kanonen auch

Bei deren Anblick wir erzittern

Diese Zeiten woll’n wir euch bereiten

 

 

Ein Feldlager.

Friedrich tritt aus seinem Zelt, sieht sich skeptisch und mißtrauisch um...

 

FRIEDRICH   Brandenburg also... Naja... Hab wohl schon Schlimmeres gesehen, als langweiliges Hügelland und verwahrloste Äcker. Wird Zeit, daß Ordnung einzieht in dieses... Brandenburg. Zerstrittene Provinz, und nirgendwo ein Herr, der aufräumt. Seit ich die Mark durch meinen König empfangen, gehuldigt Sigismund, König von Deutschland, frag ich mich, ob’s Fluch ist oder Segen, daß ich meine Heimat Nürnberg und das Land der Hohenzollern verließ, um ausgerechnet hier... Brandenburg. Mon Dieu. Wer kommt denn auf so was. Wirklich nur ein König.   während er die Bühne abmißt, abklopft, umrundet   100.000 ungarische Goldgulden hat er mir zugestanden, hier mit dem »kriegerischen und verderblichen Wesen aufzuräumen.« Aber natürlich hatte er das nicht in bar. Niemand hat Bargeld. Woher auch. Hier gibt es alles nur auf Kredit und Lehen. Ich erhielt den Pfandbesitz ebenjenes Landes, das ich befrieden soll. Und wenn ich es befriedet habe... Mon Dieu! Nie werde ich die schönen 100.000 Goldgulden zu sehen bekommen! Nur dieses Land, diesen Sand, durchzogen von Sumpf und Mücken. Wer heut kein Geld hat, hat doch auch morgen keins! Merde! Ausgerechnet Brandenburg. Kann ich zusehen, wie ich hier 100.000 ungarische Goldgulden heraushole. sieht sich von höchster Bühnenposition um. Obschon... Dieser Hügel dort und dieser Fluß und die Silhouette des Doms, dahinter der See... Das hat schon Liebreiz. Flacher eben als gewohnt. Eben eben. Nun gut. Brandenburg also. Bislang war ich Friedrich der Vierte, Kurfürst von Nürnberg und wenn es gelingt, mit Gottes Hilfe, werde ich Markgraf Friedrich der Erste von Hohenzollern. Da ließe sich doch was draus machen, wenn es schon der König in meine Hände legt. Wird er sich ja was dabei gedacht haben. Gab ja genug, die rumschwänzelten am Hof. Der Mecklenburger vor allem und die aus Pommern. Haben längst schon mehr als ein Auge auf die Mark geworfen. Boten wohl auch Geld, das sie natürlich auch nicht hatten. Selbst die märkische Delegation hat er abblitzen lassen. Des Königs Wahl fiel auf mich - kampferprobt und leidensstark. Beides werd ich hier wohl brauchen. Ich bin aber auch einer. Mon Dieu.

 

Habakuk saß die ganze Zeit unauffällig am Bühnenrand – jetzt erst nimmt ihn Friedrich wahr, greift sein Schwert, zieht es halb aus der Scheide...

 

FRIEDRICH  Wer da?

 

HABAKUK  sieht sich um, deutet fragend auf sich...

 

FRIEDRICH  Ja, Ihn meine ich. Ist Er gekommen mich zu meucheln? Ich weiß sehr wohl, daß ich nicht wohl gelitten. Welcher Herr ist das schon?

 

HABAKUK  sieht sich verblüfft um

 

FRIEDRICH   Erklär Er sich. Oder ist Er aufs Maul gefallen?

 

HABAKUK  Hin und wieder hat „Er“ eins auf Maul bekommen, wohl eher. Aber ist immer wieder aufgestanden. Denn wenn ein Mann stolpert, fällt, und er bleibt liegen, so ist es ein Drama. Steht er jedoch wieder auf, so könnt man meinen, es wird eine Komödie.

 

FRIEDRICH  Und Er hat den Narren gegeben.

 

HABAKUK  Lieber Narr als Herr. Denn Herr wird der Mensch durch Geburt von allein. Dazu muß er nicht viel tun. Den Narren hingegen muß man sich erarbeiten.

 

FRIEDRICH  Weiß Er, wer ich bin, Narr?

 

HABAKUK  Ein Herr, müßt ich tippen.

 

FRIEDRICH  Ist das alles?

 

HABAKUK  Ist es mehr?

 

Friedrich überlegt...

 

FRIEDRICH  Er scheint nicht aufs Maul gefallen, eher muß Er Obacht geben, daß man Ihm die Zunge läßt. Auch scheint Er einiges mehr als Stroh im Kopf zu haben.

 

HABAKUK  Ich hoff’, ihr wollt nicht nachsehen mit dem Schwert?

 

FRIEDRICH  Trägt Er Waffen?

 

HABAKUK  Nicht mehr als in meinen Kopf passen.

 

Friedrich steckt das Schwert zurück in die Scheide, tastet Habakuk ab.

 

FRIEDRICH   Kennt Er sich aus in diesem Land?

 

HABAKUK  Wie in meiner Westentasche.

 

FRIEDRICH  Dann weiß Er, daß es nicht friedlich ist.

 

HABAKUK  In meiner Westentasche wohl. Viel ist nicht drin außer märkischem Sand und einem benutzten Schnupftuch.

 

FRIEDRICH  Es scheint mir wüst und leer, zum Heulen tatsächlich.

 

HABAKUK  Wie andernorts entvölkert durch die Pest...

 

FRIEDRICH  Uhhh... Auch das noch. Die Pest. Sie kam bis hierher?

 

HABAKUK  Sie kam erst die Elbe, dann die Havel hoch – über die Handelswege. Das Übliche...

 

Auftritt der Pesttoten.

 

FRIEDRICH            Wer sind die?

 

HABAKUK            Die hat die Pest geholt. ---

 

 

CHOR DER PESTTOTEN

 

Es begann in den Gassen der Städte

Wo Menschen lebten dicht an dicht

Sie raffte die Herren und sie raffte die Mägde

Denn Unterschiede machte sie nicht

Es wütet die Pest

Die Pest

 

Ref.: Zuerst fault das Blut

Dann fault die Haut

Was immer sie tut

Es uns graut

Vor der Pest

Vor der Pest

 

Erst kamen die Ratten dann kam der Tod

Darauf die Fälscher mit ihren Tinkturen

Danach die Pfaffen und verbrannten aus Not

Die Hexen, die Hexer, die falschen Auguren

Wegen der Pest

Der Pest

 

Ref.: Zuerst fault das Blut...

 

Gevatter Tod sichelte das Land

Die Stadt lag verödet und leer

Da erst ermüdete seine Hand

Als kaum eine Menschenseele mehr

Verschont von der Pest

Der Pest

 

Ref.: Zuerst fault das Blut...

 

 

 

FRIEDRICH  Aufhören! Da kriegt man ja überall das Jucken. Das ist lange her, fast ein Jahrhundert.

 

HABAKUK   Ihr fragtet, ich gab Antwort. – Ich kann auch gehen.

 

FRIEDRICH  Er bleibt.   zum Chor   Die sollen gehen. Deren Anblick verhagelt mir den ganzen Tag.

 

HABAKUK  Noch einer, der die Welt sieht, wie er sie sehen will, anstatt wie sie ist.

 

FRIEDRICH  Nun gut, die Pest also. Wie überall.

 

HABAKUK  Sie raffte zwei Drittel der Bevölkerung. Erst verödeten die Städte, dann die Dörfer, denn die Bauern - zwar verschont - wurden ihr Vieh und ihr Korn nicht mehr los.

 

FRIEDRICH  Erzähl Er, was ich nicht weiß.

 

HABAKUK  Was könnte das wohl sein, was ich wissen könnte und ihr nicht.

 

FRIEDRICH  Die Quitzows zum Beispiel. Kennt Er sie?

 

HABAKUK  Die Quitzows? Ihr meint, »die Quitzows«? Wirklich?

 

FRIEDRICH  Warum flüstert Er plötzlich?

 

HABAKUK  Wer will denen schon begegnen?

 

FRIEDRICH  Aber Er kennt sie?

 

HABAKUK  Es gab vier dereinst, jetzt gibt es noch derer drei.

 

FRIEDRICH  Einer ersoff vor gut einem Jahr beim Übersetzen vor Tangermünde...

 

HABAKUK  Der Konrad, ja. Der Gute. Die Fähre war überladen mit Rittern und Knappschaft, auch wohl ein wenig übermütig waren sie noch ob der Taufe ihres Neffen...

 

FRIEDRICH   Mir kommen die Tränen. Weiter.

 

HABAKUK            Der Henning studiert in Prag die Theologie...

 

FRIEDRICH            Auch den meine ich nicht, Kerl! Will Er meine Geduld strapazieren? Die mein ich, denen man nicht begegnen will.

 

HABAKUK  Ihr meint den Johannes und den Dietrich... Der eine sitzt auf Friesack...

 

FRIEDRICH  Zu dem später. Den meine ich, der hier auf der Burg Plaue sitzt in seinem Räubernest.

 

HABAKUK  Räubernest.

 

FRIEDRICH  Den Johannes, den alle nur den Hans nennen, weil er kurzen Prozeß macht...

 

HABAKUK  Kurzen Prozeß

 

FRIEDRICH  Und der die ganze Gegend tyrannisiert und unterjocht... 

 

HABAKUK  Tyrannisiert und unterjocht.

 

FRIEDRICH  Die Berge hier sind nicht steil genug, als daß sie Echo werfen könnten.

 

HABAKUK   »Räubernest«, »kurzer Prozeß« und »tyrannisiert und unterjocht« – Ihr urteilt schnell. Ganz wie ein Herr. Die Mächtigen glauben oft, mit einem Blick auf Land und Leute alles zu erfassen und glotzen doch nur auf ihr eignes Vorurteil.

 

FRIEDRICH   Wir haben ein Recht darauf...

 

HABAKUK  Auf euer Vorurteil?

 

FRIEDRICH  Auf eine standesgemäße Sicht auf die Lage...

 

HABAKUK  Schon von Geburt her, verstehe. Sind wir doch was wir sind, weil wir hineingeboren in was wir sollten, doch wenn das Sein das Bewußtsein trübt nach seinem Geschick, sind wir nicht was wir sind oder sollten, sondern nur, was wir wurden.

 

FRIEDRICH  Mir wurde schon berichtet, daß da, wo wenig blüht, doch Philosophie reiche Blüten treibt. Nun denn, Spaßvogel, will Er in meine Dienste treten und mehr werden, als Er wohl durch Geburt geworden?

 

HABAKUK  Ich bin frei, das reicht. Da braucht es keinen Dienst.

 

FRIEDRICH  Nur ein Narr ist frei zu glauben er sei frei. Niemand ist frei. Wir stecken alle in unseren Häuten und Aufgaben. Wir sind bestimmt und berufen.  

 

HABAKUK  Und wer nicht will, wird bestimmt berufen, und wenn’s nicht reicht, wird’s beigebracht, bis das Hosenleder kracht...

 

FRIEDRICH  Es kann nicht jeder nach seiner Fasson selig werden. Aber hin und wieder kann man wählen.

 

HABAKUK  Wie soll dieser Dienst aussehen, den ihr mir antragt.

 

FRIEDRICH  Erzähl Er mir von dem Land und seinen Quitzows. Schließlich nutzt es, seinen Feind zu kennen.

 

HABAKUK  Wenn ihr wißt, er ist euer Feind, wißt ihr doch genug.

 

FRIEDRICH  Und viele, die das auch zu wissen glaubten, liegen irgendwo verscharrt. Also fang’ Er jetzt an... Und ich zahl bar.

 

Friedrich wirft Habakuk einen Taler zu und stellt sich einen Stuhl an den Bühnenrand...

 

FRIEDRICH  Wie ruft man Ihn eigentlich unter seinesgleichen?

 

HABAKUK  Habakuk.

 

FRIEDRICH  Meinetwegen, laß Er hören, Habakuk. Aber fange Er nicht wieder mit der Pest an.

 

HABAKUK  zum Publikum und dabei seine Schauspielstruppe in Position bringend  Er soll sein Schauspiel haben, und am Ende gelingt es mir vielleicht, ihn umzustimmen und das drohende Schlachten abzuwenden. Denn davon haben wir wahrlich genug gesehen die letzten Jahre...