AKTUELL ZUR PERSON FILMOGRAFIE THEATERSTÜCKE IMPRESSUM KONTAKT

 




 

 

 

 

 

 

 

 

HABAKUK SCHMAUCH UND DER RITTER HANS V. QUITZOW
FOUCHÈ
EXIT
ROTKÄPPCHEN
ROBIN HOOD
EIN RÄUBERISCHES WEIHNACHTSFEST



 

 

   
   
 

Robin Hood / Ein Handpuppenspiel

 

Uraufführung unter eigener Regie  1997

im Puppentheater FELICIO  -  Karsten Ackermann

 

Spielplan unter       www.Felicio.de

 

 

LESEPROBE

 

 

1. Bild  - Bauernhof

 

Die Bäuerin füttert ihre mageren Hühner.

 

  BÄUERIN

  Putt, putt, putt. - Seht, was ich schönes für euch habe. Mein letztes Korn gebe

  ich euch.   

 

Die Hühner sind fast zu dünn und schwach zum Körnerpicken.

 

  BÄUERIN

  Wollt ihr nicht? Ich sehe schon, ihr seit ja selbst zum Körnerpicken zu schwach.

  Klapperdünn seid ihr, wie soll ich da im Dorf einen guten Preis erzielen?

  Kommt schon, gebt euch Mühe und pickt die letzten Körner auf, denn das Korn ist

  knapp - so wie das Geld.

 

Die Hühner picken langsam los.

 

  BÄUERIN

  Gut so, gut so. Ach, ist das ein Elend. Und das alles nur, weil der gute König

  Richard Löwenherz nicht im Lande weilt. So konnte sich der miese Sheriff von

  Nottingham...

  wirft sich ängstlich zu Boden

  Oh Gott, ich habe nichts gesagt, nichts gesagt.

  sieht sich vorsichtig um

  Man weiß ja nie wer mithört. Und es ist bei Strafe verboten, schlecht über den

  Sheriff von Nottingham zu reden.

 

Der Steuereintreiber schiebt seinen dicken Kopf um die Ecke...

 

  STEUEREINTREIBER

  Ich habe alles gehört!

 

Die Bäuerin erschrickt derart, daß sie fast umfällt.

 

  BÄUERIN

  Oh je, der Steuereintreiber.

 

Der dicke Steuereintreiber schiebt sich mit seinem vollen Umfang auf die Bühne.

 

  / eine behäbige, schwere Melodie /

 

  STEUEREINTREIBER

  singt dazu

  Angst und Schrecken verbreite ich

  sieht man mich, erschrickt man sich

  denn Angst und Schrecken verbreite ich.  

  Ich treibe hier die Steuern ein

  die Bauern finden das gemein,

  denn mit Hinterlist und Tücke

  treib’ ich ein die Goldstücke.

  Sieht man mich, erschrickt man sich

  denn Angst und Schrecken verbreite ich.

 

Der Steuereintreiber sieht sich die Bäuerin an.

 

  BÄUERIN

  Oh je Oh je...

 

  STEUEREINTREIBER

  Was jammert Ihr?! Jammern ist bei Strafe verboten! Wer jammert, kommt  in den

  finsteren Burgturm, bis er gelernt hat, Loblieder zu singen!

 

  BÄUERIN

  Oh je. Ich will loben, ich will loben.

 

  STEUEREINTREIBER

  Sehr lobsam. Und, nachdem das geklärt ist, her mit den Steuern, dem Money, der

  Kohle, dem Zaster, den Penunsen, den GOLDSTÜCKEN!

 

  BÄUERIN

  Aber ich bin doch bettelarm!

 

  STEUEREINTREIBER

  Wer zwei Hühner hat, kann nicht bettelarm sein.

 

  BÄUERIN

  Die Hühner?

 

Die Hühner beginnen vor Angst zu schlottern.

 

  BÄUERIN

  Seht nur, wie klapprig und dünn sie sind. Kein Korn ist mehr da.

 

  STEUEREINTREIBER

  Wenn Ihr keine Goldstücke habt, dann nehme ich die Hühner mit.

 

Der Steuereintreiber greift nach den Hühnern. 

 

  BÄUERIN

  Nein, nicht die Hühner! Sie sind alles, was ich habe.

 

Die Bäuerin beginnt vor Angst zu zittern, dabei klingelt es verräterisch unter ihrem Rock.

 

  STEUEREINTREIBER

  Was höre ich da?

 

  BÄUERIN

  Ich weiß nicht. Was hört Ihr denn?

 

  STEUEREINTREIBER

  Ich habe ein empfindsames Gehör für das Klingeln von Goldstücken. Aus jeder

  Entfernung kann ich es hören.

 

Die Bäuerin beginnt immer mehr zu zittern, das Klingeln wird lauter.

 

  BÄUERIN

  Ich kann nichts hören.

 

  STEUEREINTREIBER

  Da. Da. Ganz deutlich kann ich es hören. Es klimpern die Goldstücke unter Eurem

  Rock! Ihr wollt mich und somit den Sheriff von Nottingham betrügen?! Dafür

  kommt Ihr in den finsteren Turm!

 

  BÄUERIN

  Gnade, Herr Steuereintreiber, wenn ich kein Korn für die Hühner kaufen kann, was

  soll dann aus mir werden?

 

  STEUEREINTREIBER

  Dieses Volk kann nur jammern. Ist Dir denn das Land egal, Weib? Was glaubst Du

  denn, wie teuer so ein Hofstaat ist, den der Sheriff unterhalten muß. Da muß Gold

  und immer noch mehr Gold her. Und ich treibe es ein. Also her damit!

 

Kurzer Hand stellt der Steuereintreiber die Bäuerin auf den Kopf und schüttelt die zwei letzten Goldstücke aus ihr heraus.

 

  STEUEREINTREIBER

  Na bitte, da sind ja die Goldstücke. Und Eure Hühner könnt Ihr behalten. Die sind

  mir nämlich viel zu dünn.

 

Steuereintreiber hämisch lachend ab.

Die Bäuerin kommt mühsam wieder auf die Beine.

 

  BÄUERIN

  Nun ist alles verloren. Was mußte ich auch die Goldstücke mit mir rumschleppen.

  Ach, hätte ich sie doch versteckt. Nun kann ich kein Korn kaufen.

  Meine armen Hühner werden verhungern. Erst die Hühner und dann ich.

 

 / eine traurige Melodie /

 

  BÄUERIN

  singt dazu

  England ist ein traurig Land

  Es ist außer Rand und Band

  Der Sheriff lebt in Saus und Braus

  und mir geht das Futter aus

  Seit der Sheriff hier regiert

  mir das arme Vieh krepiert

  Das kleine Glück zerrinnt im Sand

  England ist ein traurig Land

 

Der Kasper tritt auf, vorsichtig und leise, denn er hat mitgehört.

 

  KASPER

  Das ist aber ein sehr trauriges Lied.

 

  BÄUERIN

  Was soll ich anderes singen?

 

  KASPER

  Ein lustiges Lied.

  singt ohne Musik

  Ob es regnet oder schneit

  Zu Schabernack bin ich bereit

  Mein Witz ist all’n bekannt

  Denn Kasper werde ich genannt.

  Ich mache lauter lust’ge Sachen

  Die den Kindern Freude machen.

  Ich spring in die Luft, ich schieße Kobolds

  Es tut mir nicht weh, denn ich bin aus Holz.

  So locke ich das Lachen heraus

  und am Ende gibt’s Applaus.

 

  BÄUERIN

  Wenn Du von Applaus leben kannst, so sollst Du Deinen Lohn bekommen.

  die Bäuerin klatscht in die Hände

  Du bist ein lustiger Kerl. Aber Du bist wohl nicht von hier?

 

  KASPER

  Das stimmt, ich bin nur zu Besuch.

 

  BÄUERIN

  Dann kannst Du auch nicht wissen, daß unser guter König nicht im Land ist. Und

  der böse Sheriff von Nottingham immer mehr Geld von den Bauern verlangt, so

  daß wir kaum noch etwas zu essen haben.

 

  KASPER

  Das klingt in der Tat nicht sehr fröhlich.

 

  BÄUERIN

  Unsere einzige Hoffnung ist der Robin Hood.

 

  KASPER

  Robin... Was? Moment, da muß ich mal nachgucken.

  hievt wieder das Wörterbuch auf die Spielleiste

  Robin... Robin ist ein Vorname.

  Und Hood, Moment, Moment....

  „Hood“ heißt „Kapuze“.

  läßt das Wörterbuch wieder verschwinden

  zur Bäuerin

  Und wer ist dieser Robin Kapuze?

  

  BÄUERIN

  Doch nicht „Kapuze“. - Robin Hood.

 

  KASPER

  Hood heißt aber „Kapuze“.

 

  BÄUERIN

  Vielleicht da, wo Du herkommst, Kasper. Bei uns heißt Robin Hood Robin Hood,

  weil er einen grünen Hut trägt.

 

  KASPER

  Na meinetwegen. Und wer ist dieser Robin Hood?

 

  BÄUERIN

  Er ist der einzige im ganzen Land, der den armen Leuten hilft.

 

  KASPER

  Ein Held?

 

  BÄUERIN

  schwärmerisch

  Oh ja, ein Held. Wenn Robin Hood hier gewesen wäre, hätte sich der dicke

  Steuereintreiber nicht getraut, mir meine letzten Goldstücke wegzunehmen.

  Er überfällt die Reichen, nimmt ihnen ihre Goldstücke ab und gibt sie den Armen.

  Ohne Robin Hood wären wir vielleicht alle schon verhungert.

 

  KASPER

  So einen Helden muß ich kennenlernen. Wo wohnt der denn?

 

  BÄUERIN

  Da hinten im Wald - im Sherwood Forest.

 

  KASPER

  Ach da, im Reinwald Wald - ich meine im Sherwood Forest.

  

  BÄUERIN

  Ja. Aber der Wald ist sehr groß, und niemand weiß genau, wo sich Robin Hood

  gerade aufhält.

  Aber, Du mußt mich entschuldigen, Kasper. Ich muß die Hühner ins Haus bringen,

  vielleicht finde ich ja noch in irgendeiner Ritze ein paar Körner. Puttputtputt,

  kommt, meine dünnen Hühner...

 

Die Bäuerin und die Hühner ab.

 

  KASPER

  Das sind ja Geschichten, die man hier so erfährt.

  Vielleicht sollte ich diesen Robin Hood mal suchen gehen?

  Im Sherwood Forest also.

 

  / Musik setzt ein /

 

Fließende Verwandlung in den...

 

2.  Bild  - Sherwood Forest

 

Kasper ist im Wald unterwegs, bzw. erweckt die Verwandlung den Eindruck des Wanderns.

 

  / die Verwandlungsmusik wird zu Kaspers Wanderlied /

 

  KASPER

  singt

  Das Wandern ist des Kaspers Lust

  Das Wandern ist des Kaspers Lust

  Das Wa-a-ndern.

  Ich durchstreife diesen Wald jetzt hier,

  sehe Vögel und and’res Getier

  Beim Wa-andern, beim Wa-andern

  Beim Wa-a-ndern...

  hält inne

  Puh. Dieser Sherwood Forest nimmt ja überhaupt keine Ende.

  Da reichen alle Wanderlieder nicht aus.

  Und einen Hunger habe ich bekommen. Aber ich weiß schon - eine Bratwurst werde

  ich hier nicht finden. In Wäldern habe ich noch nie Bratwürste gefunden. Dabei

  liebe ich Bratwürste, wie ihr vielleicht schon wißt. Ich denke oft an Bratwürste.

  Vielleicht sollte ich mich ein bißchen an diesen Baum hier lehnen und an eine

  Bratwurst denken.

  lehnt sich an den Baum

  Wie hatte die alte Bäuerin gesagt? ‘Ohne Robin Hood wären wir vielleicht alle

  schon verhungert.’ Sollte das etwa heißen, daß dieser Robin Kapuze Bratwürste

  hat?

  ruft in den Wald

  He, Robin Kapuze! Ich suche Dich! He, zeige Dich!

  Keiner da. Keiner kommt. Nichts zu sehen.

  Der Wald ist viel zu groß.

  Psst. - Ich höre da was.  

 

  / ein leises Sirren, das immer lauter wird.... /

 

  Was ist denn das für ein merkwürdiges Geräusch? Das klingt wie eine Biene, nein,

  eher wie eine Hummel, und jetzt zischt es wie eine Schlange und kommt immer

  näher...

 

Krawumm - der Pfeil schlägt in den Baum ein und nagelt Kaspers Mütze fest.

 

  Hilfe. Ein Pfeil. Ein Überfall! Hilfe! - Überfall!

 

Vergeblich versucht Kasper, sich von dem Pfeil zu befreien. Auftritt Robin Hood.

 

  ROBIN

  Bist Du ein Edelmann oder ein Halsabschneider?

 

  KASPER

  Ich bin der Kasper. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Eben nur der Kasper.

 

  ROBIN

  Und was willst Du?

 

  KASPER

  Ich suche Robin Hood.

 

  ROBIN

  mißtrauisch

  Was willst Du von ihm?

 

  KASPER

  Ich habe diesem Robin mitzuteilen, daß eine alte Bäuerin von einem fiesen

  Steuereintreiber um ihre letzten Goldstücke erleichtert wurde - man kann auch

  sagen, er hat sie ihr geklaut.

 

   ROBIN

  Oh, dieser fette Wurm, dieser Gehilfe des Sheriffs von Nottingham...!

  Würde ich den in die Finger bekommen.

 

  KASPER

  Was nutzt das schon? Wenn Du nicht Robin Hood bist.

 

   ROBIN

  Und Du bist ganz allein im Sherwood Forrest unterwegs?

  So bist Du ein mutiger Mann?

 

  KASPER

  Eher ein Kasper. Und mutig? Ich weiß nicht, was ist Mut?

 

   ROBIN

  Darüber streiten die Gelehrten. Nun denn, Du hast ihn gefunden.

 

  KASPER

  Wen?

 

   ROBIN

  Robin Hood.

 

  KASPER

  Du bist Robin Hood?

  Dacht ich’s doch. Mit so einer komischen Kapuze.

 

Robin Hood macht den Kasper vom Baum los.

 

  KASPER

  Danke. Du bist ein guter Pfeilschießer, das muß ich schon sagen.

 

   ROBIN

  Ja, ich bin ein guter Bogenschütze.

  singt

  Immer trifft mein Pfeil ins Ziel.

  Als wäre es ein Kinderspiel.  

  Ich bin ein guter Schütze.

  Mein Zeichen ist die grüne Mütze.

  Was ich den Reichen genommen,

  sollen die Armen bekommen.

  Es ist bekannt im ganzen Land:  

  Robin Hood werd’ ich genannt.

 

  KASPER

  Sehr eindrucksvoll. Und was gedenkst Du jetzt zu tun?

 

   ROBIN

  Zu tun? Was sollte ich denn tun?

 

  KASPER

  Ja, Mensch, Robin! Hast Du denn nicht zugehört? Der armen

  Bäuerin wurden ihre letzten Goldstücke weggenommen. Soll sie

  denn verhungern?

 

Robin Hood hat kein Interesse mehr an Kasper, die ganze Zeit schon sieht er in den Himmel.

 

  KASPER

  Hörst Du überhaupt zu?

 

   ROBIN

  Sag, Kasper. Siehst Du die Wolke dort am Himmel?

 

  KASPER

  sieht jetzt auch zum Himmel

  Eine Wolke, ja...

 

   ROBIN

  Die Linien dieser Wolke - sind sie nicht gar lieblich anzuschauen?

 

  KASPER

  Solltest Du nicht lieber den Steuereintreiber suchen, als Dir hier so langweilige

  Wolken anzusehen?

 

   ROBIN

  greift Kasper am Kragen

  Nenne die Jungfrau Marion nicht ‘langweilig’!

 

  KASPER

  Wer ist denn die Jungfrau Marion?

 

   ROBIN

  Sie ist die Frau meiner Träume, nach der ich mich sehne, in jeder Minute. Ihr

  Antlitz ist so hold und rein, wie strahlend Sonnenschein.

 

  KASPER

  zu den Kindern

  Mir scheint, dieser Robin Hood ist verliebt. Ja, ganz schrecklich verliebt.

 

   ROBIN

  Sie beherrscht jeden meiner Gedanken. In jedem Baum und jedem Strauch, jeder

  Wolke glaube ich die Angebetete zu sehen. Wie soll man da die Bösewichter

  jagen. Ich kann kaum einen klaren Gedanken fassen.

 

  KASPER

  Dann wäre es doch das Einfachste, Du gehst hin und sagst es ihr.

 

   ROBIN

  Wo denkst Du hin. Ich bringe nicht ein Wort hervor, wenn ich sie sehe. Ich fange

  an zu stottern und bekomme einen roten Kopf.

 

  KASPER

  Dann schreib ihr einen Brief.

 

   ROBIN

  Einen Brief? Mir fehlen die Worte.

 

  KASPER

  Dann helfe ich Dir eben. Im Briefeschreiben bin ich sehr geschickt.

  Also schreib.

  diktiert

  Geliebte Marion.

  Ich schreibe diesen Brief, weil ich meine Liebe zu Dir nicht länger verbergen kann.

 

   ROBIN

  Das ist gut. Das trifft es genau.

 

  KASPER

  Danke.

  diktiert weiter

  Vielleicht hast Du es auch schon längst bemerkt.

 

   ROBIN

  Oh ja, sie sieht mich auch manchmal so an, so, so...

  versucht nachzumachen, wie Marion ihn ansieht - was aber ein bißchen dämlich aussieht

 

  KASPER

  Na siehst Du. Dann können wir es kurz und bündig machen.

  diktiert weiter

  Wenn es so ist, wie ich denke und Du mich auch ganz gut findest,

  dann könnten wir uns ja mal treffen. Zum Beispiel, um gemeinsam eine   

  Bratwurst zu essen...

 

   ROBIN

  Eine Bratwurst zu essen?

 

  KASPER

  Ja. Ißt Du nicht gerne Bratwurst?

 

   ROBIN

  Nein.

 

  KASPER

  Na gut, dann schreibe, was Du gerne machst.

 

   ROBIN

  Ich tue gern Gutes.

 

  KASPER

  Aber das weiß sie doch, oder?

 

   ROBIN

  Das will ich wohl meinen.

 

  KASPER

  Naja, dann brauchst Du das auch nicht mehr so zu betonen.

 

   ROBIN

  Ich gehe gerne den Rehen zusehen, wie sie die Äste anknabbern.

 

  KASPER

  Ja? Wie Du meinst. Also schreib:

  diktiert

  Vielleicht könnten wir ja mal zusammen den Rehen zusehen, wie sie die Äste

  anknabbern. Ich würde mich sehr freuen. Punkt. Unterschrift.

 

   ROBIN

  Das kann ich nicht. Was, wenn mich Marion gar nicht will?

 

  KASPER

  Unsinn. Alle Mädchen wollen die Guten. Du bist sogar ein Held.

 

   ROBIN

  Ja, das ist richtig.

 

  KASPER

  Na also. Dann kannst Du auch unterschreiben.

 

   ROBIN

  Oh, nein, ich bin viel zu aufgeregt. Ich, ich...

  beginnt zu stottern

  ka-ka-kann das ni-nicht...

 

  KASPER

  Ja, ja, ist ja gut. Ich merke schon, Du brauchst ja nur an die Jungfrau Marion zu

  denken und schon geht es los.

 

   ROBIN

  Ge-ge-genau.

 

  KASPER

  Dann mache ich Dir einen Vorschlag: Ich bringe den Brief zu Marion und sage Ihr,

  daß ich ein Bote von Robin Hood bin.

 

   ROBIN

  Das würdest Du für mich tun?

 

  KASPER

  Aber ja doch. Und Du suchst diesen fiesen Steuereintreiber und machst das, was

  Du am Besten kannst. Ein Held sein.

 

   ROBIN

  Das ist ein Leichtes. Diese Liebesdinge sind viel viel schwieriger.

 

  KASPER

  Ich mache mich gleich auf den Weg.

 

Kasper nimmt den Brief und geht. Robin bleibt allein zurück.

 

   ROBIN

  Habe ich ein Glück, daß ich den Kasper getroffen habe.

  Doch halt, was ist das?

 

Robin versteckt sich hinter dem Baum.

Von Ferne ist schon das Lied des Steuereintreibers zu hören - ohne Musik.

 

  STEUEREINTREIBER

  Angst und Schrecken verbreite ich

  Sieht man mich erschrickt man sich

  Denn Angst und Schrecken verbreite ich.

 

Während des Liedes ist der Steuereintreiber aufgetreten.

 

  STEUEREINTREIBER

  Puh, ein weiter Weg. Da werden mir die Beine lahm.

 

   ROBIN

  hinter dem Baum, nicht sichtbar

  Weil Ihr feist und fett seid.

 

  STEUEREINTREIBER

  Ja, ja, genau, ich bin ein bißchen dick...

  Moment mal. Ich führe ja Selbstgespräche.

 

   ROBIN

  Oh nein, Ihr irrt. Das führt Ihr nicht.

 

  STEUEREINTREIBER

  Dann bin ich ja beruhigt. Aber wer spricht denn da?

 

   ROBIN

  Ich.

 

  STEUEREINTREIBER

  Ein Baum kann sprechen?

 

Der Steuereintreiber geht um den Baum herum, Robin kommt auf die andere Seite...

 

  STEUEREINTREIBER

  Merkwürdig. Sprechende Bäume. Höchst merkwürdig...

  sieht jetzt Robin Hood

  Beim Sheriff von Nottingham. Das ist ja Robin Hood.

 

   ROBIN

  Ganz recht. Ich bin es. Rückt die Goldstücke raus.

 

  STEUEREINTREIBER

  Niemals.

 

   ROBIN

  Das werden wir ja sehen.

 

Robin Hood stellt den Steuereintreiber auf den Kopf, so daß die Goldstücke aus seiner Tasche purzeln.

 

   ROBIN

  Na bitte, da sind sie ja. Und sagt dem Sheriff, daß Robin Hood nicht zulassen wird,

  daß er weiter die Leute ausplündert!

 

Robin ab.

 

  STEUEREINTREIBER

  Das wird Euch teuer zu stehen kommen!

  Die Burg ist nicht mehr weit.

 

MUSIK. VERWANDLUNG.

 

 

3. Bild  - Vor der Burg zu Nottingham

 

  STEUEREINTREIBER

  Holla, ich grüße den Sheriff zu Nottingham. He, laßt die Zugbrücke runter. Ich

  wurde überfallen.

 

Rattzig, die fette Ratte des Sheriffs, erscheint.

 

  RATTZIG

  Wer blökt hier wie ein Schaf

  und stört des Herrschers Mittagsschlaf?!

 

  STEUEREINTREIBER

  Ah, Du bist es, Rattzig.

  beiseite

  Des Sheriffs Ratte, durchtrieben und voller Hinterlist.

  Wenn ich dieses arrogante Vieh schon sehe.

  zu Rattzig

  Ich bin es, der Steuereintreiber des Sheriffs.

 

   RATTZIG

  beiseite

  Ein dicker Sack auf Beinen,

  will ich meinen.

  Treibt Steuern ein

  und will hinein.

  zum Steuereintreiber

  Das wird dem Herrscher wohl gefallen,

  zeig her den Geldbeutel, den prallen.

 

  STEUEREINTREIBER

  Ich bin von Robin Hood ausgeraubt worden.

 

  RATTZIG

  Mit dieser Nachricht traust Du Dich hierher?

  Doch meinetwegen, bitte sehr.

  

Unter Gedröhn und Kettengerassel senkt sich langsam die Zugbrücke herab.

Rattzig kommt auf die Zugbrücke.

 

  RATTZIG

  Das Volk werfe sich jetzt in den Dreck,

  denn der Sheriff kommt,

  für sich

  der eitle Geck.

 

Der Steuereintreiber macht eine tiefe Verbeugung und wagt nicht, den Sheriff anzusehen, der jetzt langsam und eitel die Zugbrücke herunterkommt.

 

Feierliche Marschmusik setzt ein.

 

  SHERIFF

  singt 

  Sheriff von Nottingham werd ich genannt

  Allen Untertanen ist es wohl bekannt:

  Ich bin der Stärkste hier im Land

  Deshalb haben alle Angst vor mir

  Bei Widerspruch werd ich zum Tier

  Denn ich bin der Stärkste hier.

 

   RATTZIG

  Heil Dir, Herrscher von Sherwood und Nottingham.

 

  SHERIFF

  singt weiter

  Meine Kraft und grenzenlose Schönheit

  wird gepaart mit Mut und Rücksichtslosigkeit

  Ergänzt durch Gier und Hinterlist

  entsteht, was nicht zu schlagen ist:

  Ich, ich, und nochmals ich,

  bin der Herrscher Fürchterlich.

 

  RATTZIG

  Heil Dir, Herrscher von Sherwood und Nottingham.

 

  SHERIFF

  Genug des Lobes, ich weiß, was ich wert bin. Doch wer hat es

  gewagt, meinen geheiligten Schlaf zu stören.

 

  RATTZIG

  zeigt auf den Steuereintreiber

  Der da. Der im Dreck da niederkniet

  Der wurd’ von Robin Hood besiegt.    

  

  SHERIFF

  Mein Steuereintreiber?

 

  STEUEREINTREIBER

  Ich, Herr, Du Sonne der Menschheit, Herrscher der dunklen Mächte...

 

  SHERIFF

  Jaja, ist gut. Ich kann mich alleine loben. Robin Hood sagst Du? Dieser kleine

  grüne Wicht, dieser kleine Hosenscheißer mit der grünen Mütze? Dieser feige Kerl,

  der jeden Kampf mit mir vermeidet? Der meine Steuereintreiber überfällt und

  ausplündert?

 

Der Sheriff packt den Steuereintreiber und hebt ihn hoch in die Luft.

 

  SHERIFF

  Und hast Du Dich gewehrt wie ein Löwe?

 

  STEUEREINTREIBER

  Jaja, mich gewehrt wie ein Löwe.

  

  RATTZIG

  Der Sack auf Beinen

  will ich meinen

  lügt doch wenn er spricht

  Euch ganz offen ins Gesicht.

 

  SHERIFF

  Hast dich also gewehrt wie ein Löwe?

 

  STEUEREINTREIBER

  Naja...

 

  SHERIFF

  Wie ein lahmer Löwe....?

 

  STEUEREINTREIBER

  Aber gebrüllt habe ich...

 

Der Sheriff schleudert den Steuereintreiber zu Boden.

 

  SHERIFF

  Wie am Spieß! Das kann ich mir denken! Du Flasche! Du nutzt nur, um die Bauern

  zu erschrecken! Du bist eine feige Ratte!

 

  RATTZIG

  Keine Beleidigungen, bitte sehr

  Ich bin mutiger als der.

 

  SHERIFF

  Das wirst Du gleich beweisen können. Zu den Waffen! Alles muß man alleine

  machen. Denn jetzt hole ich mein Schwert, und dann geht es diesem Robin Hood

  an den Kragen... Dem mache ich jetzt ein Ende, ein für allemal!